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Behördliche Handlungsräume im demokratischen Rechtsstaat oder: Warum zwangssterilisierte Sinti trotz ähnlicher Verfolgungsschicksale nach 1945 unterschiedlich entschädigt wurden

Wie andere Säulen der postdiktatorischen bundesdeutschen Vergangenheitspolitik war auch die Institution der Wiedergutmachung in der deutschen Bevölkerung wenig populär. Die Aversion einer Mehrheit, die den Nationalsozialismus mitgetragen hatte, gegenüber materieller Umverteilung zugunsten der Minderheit, die in der NS-Zeit Nachteile erlitten hatte, ist auch mit der anhaltenden Ablehnung ebenjener Bevölkerungsteile zu erklären. Wer schon immer mit
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Der »Befreiungsminister« Gottlob Kamm – Feindbild und Beglaubigungsinstanz

von Dr. Sebastian Rojek Das gesamte deutsche Entnazifizierungsprojekt stand vor einem zentralen Problem: Einerseits sollten die Bürgerinnen und Bürger für die Demokratie gewonnen werden, andererseits sahen diese sich zunächst einem frustrierend langwierigen und für die weitere Karriere bedrohlichen Überprüfungs-Verfahren gegenüber, das die Attraktivität der Demokratie erheblich mindern konnte. Dieses Problem ließ sich nicht auflösen. Stattdessen
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„Methode der indirekten Regierung“: Probleme der Regierungstätigkeit in der Besatzungsverwaltung am Beispiel von Württemberg-Hohenzollern

von Viktor Fichtenau und Alexander Klimo Als amerikanische und französische Militärverbände im Frühjahr 1945 die Herrschaft der NSDAP im deutschen Südwesten beendeten, sahen die Zeitgenossen in eine ungewisse Zukunft. Weder gab es ab Mai 1945 eine deutsche Zentralstaatlichkeit, noch gab es klar umrissene Pläne für die künftige Gestaltung der ehemaligen Länder Württemberg und Baden, die
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„Heil Hitler“ als „Zigeunergruss“: Zur Analyse der befremdlichen Analogie eines Sozialdemokraten

Was im Januar 1948 in Heidelberg, der Stadt im kurpfälzischen Norden des auf dem Boden der amerikanischen Besatzungszone neu zusammengezimmerten Landes Württemberg-Baden, geschah, war etwas in dieser Zeit Alltägliches: Im Rahmen der von den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs verordneten und von deutschen Behörden ausgeführten Entnazifizierung erschien vor einem Mitarbeiter der Ermittlungsabteilung der städtischen Spruchkammer ein
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Politische Infektiologie – Metaphorologische Einsichten in die Ziele der Entnazifzierung als Quarantänemaßnahme

von Dr. Sebastian Rojek Fragen an »die Geschichte« erwachsen häufig aus den Erfahrungen der Gegenwart. Vor diesem Hintergrund eröffnet die Covid-19-Pandemie, die sich seit Ende 2019 entlang globaler Lieferketten und Knotenpunkte der Netzwerke von Menschen und Waren rasant verbreitet hat, eine interessante Perspektive auf die Sprachbilder, mit denen sich die Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg
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„Erziehung zur Gottes- und Nächstenliebe“: Das Wirken Adolf Scheffbuchs im Kultministerium von Württemberg-Baden

Im Zuge des Wiederaufbaus der Ministerien im deutschen Südwesten kamen im Kultministerium von Württemberg-Baden im Gegensatz zu den anderen Ministerien, wo mehrheitlich Verwaltungsbeamte wiedereingestellt wurden, vermehrt Pädagogen in einflussreiche Positionen – darunter auch zahlreiche gläubige Christen, die sich bei der Arbeit im Ministerium stark von ihrem Glauben leiten ließen. Erst kürzlich erschien beispielsweise die Biographie
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Gesetz Nr. 52 und die Entstehung der Ämter für Vermögenskontrolle

von Dr. Florian Brückner Die Entnazifizierung der nationalsozialistischen Eliten – der NSDAP-Funktionäre, Banker, Unternehmer oder Generalstabsangehörigen – war in den Augen der alliierten Besatzungsmacht keineswegs eine rein juristische Angelegenheit. Alliierte Kontrollratsgesetzgebung und juristische Apparatur sollten bei solchen Kohorten weder nur die Reflexion auf die Vergangenheit hervorrufen noch strebten sie nach einer reinigenden, demokratisierenden Katharsis. Essenz
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„Ein ganz großer Schock, der da passiert ist“ – Interview mit Chana Dischereit über den antiziganistischen Vorfall von Singen und seine Folgen

Von Dr. Laura Hankeln und Joey Rauschenberger Im Teilprojekt zum Antiziganismus wird die Bewältigung und Nicht-Bewältigung der NS-Vergangenheit in Baden-Württemberg aus der Perspektive des mehrheitsgesellschaftlichen Umgangs mit der Sinti und Roma-Minderheit untersucht. Im Vordergrund steht dabei die Frage nach den Kontinuitäten und Brüchen im antiziganistischen Diskurs und behördlichen Handeln über die historische Zäsur des Kriegsendes
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„Democracy is, what happens to you, while you are busy making other plans“ – Polizeiberichte über den Weg der Bürgerinnen und Bürger in die Demokratie, ca. 1945–1950

von Dr. Sebastian Rojek Wie kamen die Bürgerinnen und Bürger im zukünftigen Baden-Württemberg in der Demokratie an? Neben dem allgemein unbeliebten Entnazifizierungsverfahren, das seit der Regelung durch das „Gesetz zur Befreiung von Militarismus und Nationalsozialismus“ vom März 1946 in einer individualisierenden Weise überprüfte, welche Personen in Frage kamen, am demokratischen Wiederaufbau voll partizipieren zu dürfen,
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Adolf Scheufele: ein Beispiel für die Kontinuität antiziganistischer Denkmuster im Kriminalpolizeiapparat

von Dr. Laura Hankeln „K. ist eine erheblich vorbestrafte, asoziale und charakterlich minderwertige Person. […] K. ist der uneheliche Sohn der Zigeunerin W., die mit dem Nichtzigeuner K. verheiratet ist. Die meisten der aus dieser Ehe hervorgegangenen Kinder sind asozial und haben die verschiedensten Behörden schon beschäftigt. Ich erinnere mich, daß bei einer Tochter das
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„A merely schematic proceeding in the purification of staff officials is an unbearable injustice“: Entnazifizierung des Beamtenkörpers am Beispiel Württemberg-Badens

In den Vorgängerländern Baden-Württembergs wurde die Entnazifizierung des Beamtenkörpers in der unmittelbaren Nachkriegszeit anhand der Richtlinien der jeweiligen Militärregierung durchgeführt. Diese soll im Folgenden für Württemberg-Badens vorgestellt und am Beispiel einiger Beamter konkretisiert werden. Abschließend soll ein Vergleich zu den Ministerstellvertretern in Württemberg-Hohenzollern gezogen werden, wo die Entnazifizierung großzügiger durchgeführt wurde. Nachdem die württembergische Landesverwaltung
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Saboteure der Wiedergutmachung eigener Verbrechen oder geläuterte Diener der Wahrheitsfindung? Fragmente zur Rolle der Polizei in den Entschädigungsverfahren von Sinti und Roma

Die Tradition der Diskriminierung und Gängelung der europäischen Sinti und Roma reicht vor die Zeit zurück, in der sich im Zuge der Entstehung ausdifferenzierter Staaten modernen Typs ein von anderen Verwaltungszweigen klar abgrenzbares Polizeiweisen etablierte. Seit es aber polizeiliche Institutionen im heutigen Sinne gibt, fiel die ausgegrenzte Minderheit primär in ihre Zuständigkeit. Das hatte zu
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Wie kommt man in der Demokratie an? Eingaben an die württembergische Staatsregierung um die Jahreswende 1945/46

von Dr. Sebastian Rojek Der 5. März 1946 bildete eine Zäsur in der frühen Nachkriegsgeschichte. An diesem Tag trat das sogenannte „Gesetz zur Befreiung von Militarismus und Nationalsozialismus“ in Kraft, das wesentlich von den Amerikanern vorbereitet und durchgesetzt worden war. Die Umsetzung allerdings lag in Händen der Deutschen und im Falle Württembergs, in denen der
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Präsentation der Abschlusspublikation im Staatsarchiv Ludwigsburg: Die badischen und württembergischen Landesministerien in der Zeit des Nationalsozialismus

Es ist geschafft! Am 29. April 2019 wurde im Staatsarchiv Ludwigsburg nach mehr als vier Jahren intensiver Forschungs- und Schreibarbeit der erste Teil der Abschlusspublikationen unseres Forschungsprojekts der Presse und der Öffentlichkeit vorgestellt. Vor der öffentlichen Abendveranstaltung betonte die Wissenschaftsministerin Theresia Bauer vor der Presse, dass der „verantwortungsvolle Umgang mit der Geschichte des Nationalsozialismus […]
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