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Die Veröffentlichung digitaler Quellen zur Geschichte Badens durch die Badische Landesbibliothek in Karlsruhe

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CC-BY-SA 3.0 DE, Badische Landesbibliothek

Wer die Geschichte der badischen Ministerien und ihrer nachgeordneten Behörden wissenschaftlich untersucht, wird um die amtlichen Publikationen nicht herumkommen. Neben dem Gesetz- und Verordnungsblatt sind hier namentlich die Amtsblätter zu nennen, die die Ministerien zur Unterrichtung der gesamten öffentlichen Verwaltung des Landes regelmäßig herausgaben. Das gilt auch für die Zeit des Dritten Reiches. Zur Unterstützung des Forschungsprojekts „Geschichte der Landesministerien in Baden und Württemberg in der Zeit des Nationalsozialismus“ hat die Badische Landesbibliothek (BLB) daher die Digitalisierung einschlägiger Amtsblätter in ihre Prioritätenliste aufgenommen. Mit der Freischaltung der ausgewählten Bestände im Juni 2015 wurde diese Dienstleistung erbracht. Diese und alle im Folgenden erwähnten elektronischen Ressourcen sind über das Portal Digitale Sammlungen unter digital.blb-karlsruhe.de zu finden.

Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 gab es in Baden nur zwei Ministerien, die ein entsprechendes Publikationsorgan herausgaben. Beide Blätter erschienen in der Landeshauptstadt Karlsruhe, gedruckt bei Malsch & Vogel bzw. der Südwestdeutschen Druck- und Verlagsgesellschaft.

Das zusammengelegte Ministerium des Kultus, des Unterrichts und der Justiz unter Otto Wacker gab das Badische Justizministerialblatt heraus; es endete am 30. März 1935, denn zum 1. April wurden die Justizbehörden der Länder zu Reichsbehörden (digitalisierte Jahrgänge: 1931-1935). Parallel gab das Ministerium für den anderen Geschäftsbereich das Amtsblatt der Abteilung Kultus und Unterricht heraus (digitalisierte Jahrgänge: 1933-1934), das nach dem Wegfall des Justizressorts und der Verschlankung der Ministeriumsbezeichnung unter dem gekürzten Titel weitergeführt wurde (digitalisierte Jahrgänge: 1935-1942). Nach dem Umzug des Ministeriums in das deutsch besetzte Straßburg erweiterte das Organ seinen Namen zu Amtsblatt des Badischen Ministeriums des Kultus und Unterrichts und der Abteilung Erziehung, Unterricht und Volksbildung des Chefs der Zivilverwaltung im Elsass. Die Behörde war nämlich nun auch für die nationalsozialistische Volkstumspolitik im Elsass zuständig, die maßgebend vom Chef der Zivilverwaltung  Robert Wagner vorgegeben wurde (digitalisierte Jahrgänge: 1943-1944).

Das Badische Ministerium des Innern unter Karl Pflaumer gründete ein entsprechendes Organ unter dem Namen Ministerialblatt für die badische innere Verwaltung (digitalisierte Jahrgänge: 1935-1945). Im Geleitwort zur ersten Nummer am 4. Januar 1935 erklärte der Minister, dass die „im nationalsozialistischen Staate geforderte Einheitlichkeit in den Endzielen der gesamten öffentlichen Verwaltung und das daraus folgende Gebot verständnisvollen und sachkundigen Zusammenwirkens aller Einzeldienstzweige“ ihn bewogen habe, dieses Ministerialblatt herauszugeben. Es erschien letztmals am 17. März 1945.

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CC-BY-SA 3.0 DE, Badische Landesbibliothek

Als nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Frankreich Robert Wagner neben seiner Funktion als NSDAP-Gauleiter und Reichsstatthalter von Baden von Hitler zum Chef der Zivilverwaltung (CdZ) im Elsass ernannt wurde, veröffentlichte er an seinem Sitz in Straßburg das Verordnungsblatt des Chefs der Zivilverwaltung im Elsass, dessen erste Nummer bereits am 24. August 1940 erschien (digitalisierte Jahrgänge: 1940-1944). Für die Erforschung der deutschen – und das heißt vielfach nichts anderes als badischen – Politik im besetzten Elsass ist es eine unverzichtbare Quelle, die zudem die große Machtfülle des unmittelbar Hitler unterstellten CdZ widerspiegelt.

Als Regionalbibliothek für Baden sieht es die BLB als ihre besondere Aufgabe an, die Erforschung der oberrheinischen Geschichte durch die Bereitstellung gedruckter und elektronischer Einzelwerke und serieller Geschichtsquellen zu unterstützen. Neben mittelalterlichen Handschriften und badischen Musikalien hat sie deshalb als dritten Schwerpunkt die publizierte, urheberrechtsfreie Literatur über Baden in ihre Digitalisierungsstrategie aufgenommen.

Nicht nur badische Einzeldrucke und Gelegenheitsschriften, sondern auch vielbändige und umfangreiche Werke sind in den vergangenen fünf Jahren bearbeitet und in die Digitalen Sammlungen integriert worden. Zu nennen sind hier unter anderem die Protokolle der Ständeversammlung bzw. des Badischen Landtags zwischen 1819 und 1933, die Karlsruher Adressbücher von den Anfängen 1818 bis 1970, die unter wechselnden Titeln erschienenen Badischen Gesetz- und Verordnungsblätter (1803 bis 1952) sowie drei verschiedene Veröffentlichungen zur Statistik Badens (Gesamtzeitraum: 1856 bis 1958). Erwähnt seien auch die Bibliographie der badischen Geschichte (Berichtszeitraum: von den Anfängen bis 1971/72) und einhundert ausgewählte Titel zu Baden im Ersten Weltkrieg.

Die Berichtszeiträume geben Aufschluss darüber, welche digitalisierten Quellen für das Forschungsprojekt zu den Landesministerien gleichfalls von Interesse sein könnten. So listet beispielsweise das Karlsruher Adressbuch nicht nur die staatlichen und kommunalen Verwaltungsstellen auf, sondern auch die Büros der Partei und ihrer Gliederungen.

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CC-BY-SA 3.0 DE, Badische Landesbibliothek

Das Spektrum der ministerialen Amtsblätter wird erweitert durch das Badische Gesetz- und Verordnungsblatt, das während der gesamten Zeit des Dritten Reiches erschien, letztmals am 11. April 1945. Es ist chronologisch angelegt, enthält für jedem Jahrgang aber auch eine zunächst nach Gesetzen und Verordnungen und sodann nach Ressorts gegliederte Übersicht sowie ein detailliertes Sachregister. Es bildet eine Ergänzung für jene Ministerien, die kein eigenes Amtsblatt herausgegeben haben.

Schließlich sind als eine zentrale Quelle für jeden Zeithistoriker die Tageszeitungen hervorzuheben. Die BLB hat im vergangenen Jahr sechs Titel digitalisiert, die sie frei ins Netz stellt: Karlsruher Zeitung, Karlsruher Tagblatt, Badische Presse, Badischer Beobachter und Badische Landeszeitung reichen zeitlich bis in die nationalsozialistische Epoche. Eine Sonderstellung nehmen die Straßburger neuesten Nachrichten ein, eine weitere grundlegende Quelle für die deutsche bzw. badische Politik im Elsass während der Jahre 1940 bis 1944. Alle Zeitungen wurden, soweit die Überlieferung lückenlos ist, vollständig unter Einschluss aller Beilagen und Sonderausgaben digitalisiert. Wie grundsätzlich alle von der BLB digitalisierten Drucke sollen auch die Zeitungen für die Volltextrecherche durchsuchbar gemacht werden. Des hohen Volumens wegen kann dies aber nur schrittweise realisiert werden; den Anfang machten die Jahre des Ersten Weltkriegs. Bis dahin hilft bei der Recherche vor allem die Kalendersuche.

Von den digitalisierten Einzelwerken soll hier nur der im Auftrag des Kultusministeriums von Karl Gärtner bearbeitete Heimatatlas der Südwestmark Baden Erwähnung finden. Die erste Ausgabe erschien 1934, eine zweite, leicht erweiterte Auflage 1937. Unspektakulär weil erwartbar sind die Widmung an den Gauleiter und das Geleitwort des Kultusministers. Die aufgenommenen Karten erweisen sich hingegen als recht interessant: Sie zeugen einerseits von der geistigen Urheberschaft des Werkes, etwa wenn auf einer Karte die badischen „Opfer der Bewegung“ eingezeichnet sind, andererseits aber auch von dem über schulische Zwecke hinausreichenden Interesse an der Kultur des Landes.

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