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Tabellarische Chronik 1933-1945 für Württemberg

24. April 1932 Letzte freie Landtagswahl in Württemberg. Seither amtiert eine geschäftsführende Landesregierung unter Eugen Bolz (Zentrum) mit DNVP-Bürgerpartei, Bauern- und Weingärtnerbund, DDP und DVP
10. Mai 1932 Wahl von Christian Mergenthaler (NSDAP) zum Landtagspräsidenten
15. Januar 1933 Wahlrede Hitlers in Stuttgart, deren Übertragung im Radio durch Zerstörung eines Kabels sabotiert wird
30. Januar 1933 Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler
5. März 1933 Bei der Reichstagswahl erhält die NSDAP in Württemberg 41,9% der Stimmen
8. März 1933 Einsetzung des SA-Führers Dietrich von Jagow als Reichspolizeikommissar für Württemberg, Übernahme der vollziehenden Gewalt, Rechtsverwahrung der Landesregierung dagegen (der sich Finanzminister Dehlinger/DNVP nicht mehr anschließt). Von Jagow errichtet das KZ für politische Gefangene Oberer Kuhberg (bei Ulm) und organisiert den „Judenboykott“ am 01.4.1933, danach wird er nach Frankfurt/M. versetzt.
15. März 1933 Wahl des NSDAP-Gauleiters Wilhelm Murr durch den bisherigen Landtag zum Staatspräsidenten von Württemberg, Wahl von Dr. Jonathan Schmid (NSDAP) zum Landtagspräsidenten
17. März 1933 Erste Sitzung der neuen Landesregierung: Innen- und Wirtschaftsminister Murr, Justiz- und Kultminister Christian Mergenthaler(NSDAP), Finanzminister Dr. Alfred Dehlinger (DNVP). Ab 18.3. leitet Staatsrat Prof.Dr. Oswald Lehnich (NSDAP) das Wirtschaftsministerium
7. April 1933 Mit dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ werden Juden mit wenigen Ausnahmen (beispielsweise vor 1914 ernannte Beamte und Kriegsteilnehmer) von Beamtenposten ausgeschlossen
8. April 1933 Erste Sitzung des Sondergerichts für Württemberg-Hohenzollern beim OLG Stuttgart
15. April 1933 Umbildung des Landtags nach den Gleichschaltungsgesetzen des Reiches gemäß den Ergebnissen der Reichstagswahl
21. April 1933 1933 Vollzugsordnung für das KZ Heuberg (bei Stetten), „Säuberung“ an der TH Stuttgart, u.a. Entlassung von Prof. Hermann (SPD, früherer württembergischer Kriegsminister), Rücktritt des Rektors Prof. Ewald und seines Kollegen an der Landwirtschaftlichen Hochschule Hohenheim, Prof. Rüdiger
28. April 1933 Bildung der Politischen Polizei unter der Leitung von Dr. Hermann Mattheiß (SA), bis 12.5.1933 abgeschlossen (Landeskriminalamt)
5. Mai 1933 Ernennung des Staatspräsidenten Murr zum Reichsstatthalter für Württemberg
11. Mai 1933 Umbildung der Landesregierung: Reichsstatthalter Murr ohne Geschäftsbereich, Ministerpräsident und Kultminister Mergenthaler, Innen- und Justizminister Dr. Jonathan Schmid (NSDAP), Finanzminister Dehlinger, Wirtschaft: Staatsrat Lehnich
1. Juni 1933 Streichung der staatlichen Unterstützung für die israelitischen Gemeinden
3. Juni 1933 Auflösung der Fachgruppe der Staatsbeamten im Verein württembergischer Verwaltungsbeamten
8. Juni 1933 Erste (und einzige) Sitzung des neuen Landtags: Ermächtigungsgesetz, Aufhebung der Landesverfassung von 1919, Landtagspräsident Staatsrat Karl Waldmann (NSDAP). Eine „gesellige“ Abschiedssitzung findet am 28.11.1933 statt. Formale Auflösung dann durch das Reichsgesetz vom 30.01.1934
18. Juni 1933 Gleichschaltung des Vereins württembergischer Verwaltungsbeamten
28. Juni 1933 Ortsvorstehergesetz für Württemberg
1. Juli 1933 Karl Strölin (NSDAP) zum Oberbürgermeister von Stuttgart ernannt (Strölin war bereits seit 16.3.1933 Staatskommissar für Stuttgart)
13. Juli 1933 Karl Waldmann zum Staatssekretär ernannt, er leitet das Büro des Reichsstatthalters
23. Juli 1933 Reichs-Kirchenwahlen, Mehrheiten für die mit dem NS sympathisierenden „Deutschen Christen“ (DC)
30. Juli 1933 Deutsches Turnfest in Stuttgart in Anwesenheit des Reichskanzlers Hitler und des Reichsministers Goebbels
21. Oktober 1933 Staatssekretär Waldmann wird Präsident der Verwaltungsakademie
28. Oktober 1933 Wahlrede Hitlers in Stuttgart, am 01.11. von Goebbels
2. November 1933 Beginn des Ausbau des Neckars zwischen Heilbronn und Plochingen (erster Spatenstich durch Reichsstatthalter Murr bei Altbach-Deizisau)
12. November 1933 „Reichstagswahlen“ und Volksabstimmung zum Austritt des Deutschen Reichs aus dem Völkerbund. Herzog Albrecht von Württemberg boykottiert die Wahl und muss seinen Wohnsitz in Stuttgart aufgeben
18. Dezember 1933 Reichsführer SS Heinrich Himmler übernimmt offiziell die Leitung der Politischen Polizei in Württemberg
31. Dezember 1933 Auflösung des Vereins der höheren Verwaltungsbeamten Württembergs
27. Januar 1934 Württembergische Kreisordnung
30. Januar 1934 Gesetz über den Neuaufbau des Reiches. Die Hoheitsrechte der Länder sind de facto auf das Reich übergegangen
31. Januar 1934 „Dorotheenpakt“ zwischen der Evangelischen Landeskirche (Bischof Theophil Wurm), der Theologischen Fakultät Tübingen, Vertretern des Reichsstatthalters, der Ministerien, der Politischen Polizei und der Fraktionen innerhalb der Kirche: Auflösung des Pfarrernotbundes, die DC unterstellen sich dem Landesbischof
14. Februar 1934 Bildung von „Erbgesundheitsgerichten“, erstes Urteil am 06.3.1934. Formale Legalisierung von Zwangssterilisationen (bis 1944 durchgeführt)
21. März 1934 Beginn des Baus der Reichsautobahn Stuttgart-Ulm (erster Spatenstich durch Reichsstatthalter Murr zwischen Plieningen und Bernhausen)
22. April 1934 Landesbischof Wurm, der zunächst 1933 die Wahl des „Reichsbischofs“ Ludwig Müller unterstützt hatte, erklärt in einem Gottesdienst im Ulmer Münster den Wechsel der Landeskirche zur Bekennenden Kirche (29.-31.5.1934 erste Bekenntnissynode in Barmen)
11. Mai 1934 Amtsenthebung des Leiters der Politischen Polizei Mattheiß (er wird am 01.7.1934 in der SS-Kaserne Ellwangen erschossen: einziger Mord im Rahmen der „Röhm-Revolte“ in Württemberg)
18. Juli 1934 Selbstmord des Kreisleiters der NSDAP von Stuttgart Otto Maier
19. August 1934 „Volksbefragung“ zur Vereinigung der Ämter des Reichskanzlers und Reichspräsidenten (nach dem Tod Paul von Hindenburgs am 02.8.1934)
1. Oktober 1934 Kundgebung der Deutschen Christen in der Stadthalle Stuttgart mit Reden von Reichsstatthalter Murr und Ministerpräsident Mergenthaler zur Eingliederung der Evangelischen Landeskirche in die „Reichskirche“
9. Oktober 1934 Evangelische Landessynode zur Absetzung von Bischof Wurm
26. Oktober 1934 Aufhebung des „Hausarrests“ für Landesbischof Wurm auf Anordnung aus Berlin, Ende des offenen Kirchenkampfs: 30.10.1934 Audienz der Bischöfe Wurm, Meiser (Bayern) und Marahrens (Niedersachsen) bei Hitler, Rücktritt des preußischen Ministerialdirektors Jäger (Rechtswahrer der Deutschen Evangelischen Kirche des Reichsbischofs Müller)
18. November 1934 Der katholische Bischof  von Rottenburg Dr. Johannes Baptista Sproll widerspricht auf einer Don-Bosco-Feier den Thesen des Reichsjugendführers Baldur von Schirach und Alfred Rosenbergs
7. Januar 1935 Festakt zur „Verreichlichung“ des Justizministeriums in Stuttgart in Anwesenheit von Reichsjustizminister Gürtner
30. Januar 1935 Deutsche Gemeindeordnung (01.4.1935 in Kraft getreten). Ende der kommunalen Selbstverwaltung zugunsten des Einflusses der Partei
30. Mai 1935 Hitler genehmigt die Entlassung von Ministerpräsident Mergenthaler, die Urkunde wird aber nicht ausgehändigt, die Entlassung unterbleibt
18. Juli 1935 Das Amtsgericht Stuttgart bestätigt eine Entscheidung des Standesamts, das seit Wiedereinführung der Wehrpflicht (am 16.3.1935) Angehörigen der Reserve der Wehrmacht die Heirat mit Jüdinnen verwehrt (vor den Nürnberger Rassegesetzen vom November 1935)
30. Oktober 1935 Erste Rekruteneinberufung zur Wehrmacht
15. Januar 1936 Innenminister Schmid übernimmt auch die Leitung des Wirtschaftsministeriums
30. Januar 1936 Erstes „Rassenschande“-Urteil in Stuttgart wegen unehelicher Beziehung eines Juden aus Bad Cannstatt mit einer „Nichtjüdin“
24. März 1936 OB Strölin (Stuttgart) verkündet: Arbeitslosigkeit in Stuttgart auf 1/10 seit 1933 (42.000) gesunken
15. April 1936 Die Schulen beginnen nach der Osterpause das neue Schuljahr mit Verspätung: Elternbefragung zur Einführung einer überkonfessionellen Gemeinschaftsschule, der „deutschen Volksschule“ (94% Zustimmung)
24. August 1936 Juden wird in Stuttgart die Benutzung öffentlicher Bäder verboten
27. August 1936 Verleihung des Titels „Stadt der Auslandsdeutschen“ an Stuttgart
23. September 1936 75. Geburtstag von Robert Bosch. Es gratulieren persönlich Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht und OB Strölin, aber nicht die Regierung von Württemberg
27. September 1936 Reichsstatthalter Murr eröffnet ein Teilstück der Autobahn Stuttgart-Ulm (zeitgleich mit der Eröffnung eines Abschnitts der Reichsautobahn bei Breslau durch Hitler)
9. April 1937 Erste Einschulung nur noch in die „Deutsche Volksschule“
28. April 1937 Erlass von Kultminister Mergenthaler zur Gestaltung des Religionsunterrichts, 29.4. der „deutsche Gruß“ wird von allen Schülern verlangt
30. Mai 1937 Öffentliche Verpflichtung von 7000 Luftsschutzwarten vor dem Neuen Schloss in Stuttgart
1. Juni 1937 Bischof Sproll protestiert unter Hinweis auf das Konkordat gegen den neuen Religionsunterricht, Kultminister Mergenthaler reicht den Brief zurück, der Bischof beschwert sich beim Nuntius Pacelli in Berlin
3. Juni 1937 Der Evangelische Oberkirchenrat protestiert ebenfalls gegen den neuen Religionsunterricht
15. Juni 1937 Schließung der letzten Bekenntnisschule. 700 Pastoren der evangelischen Landeskirche verweigern daraufhin am 01.7. den Treueeid auf Hitler und werden vom Religionsunterricht an den neuen Gemeinschaftsschulen ausgeschlossen
25. Juni 1937 Gautag der NSDAP in Stuttgart zum 10. Jubiliäum des ersten Parteitags in Württemberg-Hohenzollern: 100.000 Teilnehmer, Appell mit 21.500 Funktionären
8. Oktober 1937 Der Württembergische Verwaltungsgerichtshof verwirft eine Beschwerde des Ordens des Hlg. Franziskus gegen einen Erlass von Kultminister Mergenthaler, einige private katholische Mädchenschulen zu schließen, da das Reichsinnenministerium keine Ausführungsbestimmungen zum Konkordat erlassen habe
30. Oktober 1937 Reichsautobahn Stuttgart-Ulm fertiggestellt
1. Dezember 1937 Bilanz der AOK Stuttgart: Krankenstand überdurchschnittlich und steigend (bis auf 5 % 1938), Krankenhausaufenthalte doppelt so hoch wie im Reich
31. Dezember 1937 Auflösung des Vereins der (mittleren) Verwaltungsbeamten Württembergs (nun AG der Verwaltungsbeamten des gehobenen mittleren Dienstes im Reichsbund Deutscher Beamten), Fusion der „Württembergischen Verwaltungszeitschrift“ mit der „Verwaltungspraxis“, hg. von Staatssekretär Waldmann
23. Februar 1938 Evangelischer Oberkirchenrat protestiert bei Kultminister Mergenthaler gegen den neuen „Weltanschauungsunterricht“ an einzelnen Gemeinschaftsschulen, z.B. in Ulm
30. März 1938 Schließung der Freien Waldorfschule Stuttgart (seit 1934 keine Neuaufnahmen mehr, 1940 Auflösung des Trägervereins)
31. März 1938 Unterredung zwischen Reichsstatthalter Murr, Staatssekretär Waldmann und Landesbischof Wurm („Burgfriede“)
1. April 1938 Adolf Hitler besucht Stuttgart
10. April 1938 Abstimmung zum Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich. Der Bischof von Rottenburg Sproll boykottiert die Abstimmung und wird am 24.8.1938 mit 18 weiteren Priestern aus Württemberg verbannt. Er leitet sein Bistum nun von Bayern aus. Über 200 katholische Geistliche werden gerichtlich verfolgt
29. August 1938 Fünfte Reichstagung der Auslandsdeutschen in Stuttgart mit den Reichsministern Göring und Goebbels sowie Reichsführer SS Himmler. Bei einer Rede Baldur von Schirachs Zwischenruf der Pianistin Margarete Klinckerfuss
1. Oktober 1938 Große Kreisreform in Württemberg (Gesetz vom 25.4.1938)
5. November 1938 Eröffnung erster Teilstrecken der Reichsautobahn Stuttgart-Pforzheim und Stuttgart-Ludwigsburg durch die Reichsstatthalter Murr und Wagner (10.12.1938 Stuttgart-München fertiggestellt)
9. November 1938 Reichspogromnacht. In Württemberg brennen zwölf Synagogen (u.a.in Göppingen, Heilbronn, Künzelsau, Ludwigsburg, Stuttgart, Bad Cannstatt, Tübingen und Ulm), ca.2000 Juden werden verhaftet
9. Dezember 1938 Der Kaufhauskonzern Schocken, der in Stuttgart ein bedeutendes, von Erich Mendelssohn erbautes Haus betrieb (Abriss 1960), wird „arisiert“ (neuer Name: Merkur AG)
18. Januar 1939 Beginn der Ermordung Kranker in Grafeneck (bis Ende 1940,  an anderen Orten im Reich bis August 1941 fortgesetzt)
12. Februar 1939 Eine Ansprache von Landesbischof Wurm gegen den Weltanschauungsunterricht wird von allen Kanzeln verlesen
4. April 1939 Fusion verschiedener öffentlicher Unternehmen zur Energieversorgung Schwaben AG (Bürgschaft des Landes Württemberg am 16.12.1939)
20. Juni 1939 Auflösung der Evangelischen Gemeindevereine in Württemberg (1938 zur privaten Finanzierung von kirchlichen Kindergärten gegründet)
8. August 1939 Anordnung der Stadt Stuttgart: Juden dürfen nur noch bei Juden zur Miete wohnen
1. September 1939 Beginn des Zweiten Weltkriegs. Ernennung von Reichstatthalter Murr zum Reichsverteidigungskommissar: Leiter der Landesregierung (anstelle des Ministerpräsidenten Mergenthaler)
12. Oktober 1939 Erlass des Innenministeriums zur Beschlagnahme der Krankenanstalt Grafeneck zur Vorbereitung der „Euthanasie“ (Hitlers Ermächtigung gegenüber Reichsleiter Bouhler wurde auf den 01.9.1939 rückdatiert)
15. Juni 1940 Staatssekretär Waldmann wird Chef der Militärverwaltung in Nordwestfrankreich (St. Germain) bis April 1941
21. Juni 1940 Innenminister Schmid wird Chef des Verwaltungsstabes beim Militärbefehlshaber im besetzten Frankreich (ohne Elsass-Lothringen) bis 01.8.1942
19. Juli 1940 Landesbischof Wurm protestiert in einem Brief an das Reichsinnenministerium gegen die „Euthanasie“
15. August 1940 Errichtung des ersten Sammellagers für Kriegsgefangene im Arbeitseinsatz in Stuttgart
13. Dezember 1940 Letzte Morde im Rahmen der „Euthanasie“ in Württemberg
8. Juli 1941 Beschlagnahme der vier Evangelischen Studienseminare Blaubeuren, Maulbronn, Schöntal und Urach und Umwandlung in staatliche Gymnasien (Internate)
1. August 1941 Beschlagnahme zahlreicher katholischer Einrichtungen (Klöster, Marienhospital Stuttgart, Güter und Heilanstalten)
27. August 1941 Leopold Levi, früherer Präsident des Israelitischen Oberrats in Württemberg und Mitglied der Reichsvertretung der Juden, verlässt Deutschland. Offiziell wird die Auswanderung ab 01.10.1941 verboten.
1. September 1941 Einführung des sogenannten “Judensterns“
23. September 1941 80. Geburtstag von Robert Bosch, es gratulieren ihm OB Strölin, Reichsorganisationsleiter Ley und Reichstatthalter Murr in Baden-Baden persönlich
1. Dezember 1941 Erster (von insgesamt zwölf) Deportationszügen mit württembergischen Juden in den Osten, hier nach Riga (Massenerschießung dort am 26.3.1942)
17. Februar 1942 Staatssekretär Waldmann übernimmt nach der Pensionierung von Minister Dehlinger die Leitung des Finanzministeriums
18. März 1942 Staatsbegräbnis für Robert Bosch, es spricht Reichswirtschaftsminister Funk
31. März 1942 Das OLG Stuttgart beklagt, dass durch die wachsende Zuständigkeit des Sondergerichts Stuttgart zu wenig Arbeit für die normalen Strafkammern und die Staatsanwaltschaft übrig bleibe (u.a. wird die Hälfte aller Todesurteile vom Sondergericht verhängt)
22. Mai 1942 In Stuttgart werden zusätzlich zu den bereits dort tätigen 20.000 „Fremdarbeitern“ (z.B. Polen) weitere 10.000 erwartet und dafür neue Lager errichtet
24. Juni 1942 Landesbischof Wurm trifft sich mit Vertretern des Kreisauer Kreises
14. Juli 1942 Bischof Wurm beschwert sich erneut bei Reichsleiter Bormann, dass die Regierung Murr die Vereinbarungen des Burgfriedens nicht einhalte (am 14.8.1942 entsprechend beim Reichsführer SS Himmler)
11. März 1943 Erster schwerer Luftangriff auf Stuttgart, über 100 Tote. Beim Angriff am 15.4.1943 über 600 Tote, darunter 400 Kriegsgefangene durch einen Volltreffer im Lager Gaisburg
1. Juni 1943 Allein an diesem Tage 35 Hinrichtungen in Stuttgart, darunter 4 französische Widerstandskämpfer
13. Juli 1943 Der Evangelische Oberkirchenrat protestiert bei Reichsstatthalter Murr gegen das Verbot des Konfirmandenunterrichts in den Kinderlandverschickungslagern im Schwarzwald, obwohl dieser von der Reichsleitung für Jugenderziehung der NSDAP erlaubt worden sei
16. Juli 1943 Bischof Wurm appelliert nochmals an Hitler (Mischehen, Jugenderziehung und KZ)
25. August 1943 OB Strölin (Stuttgart) weist anlässlich der Ernennung Himmlers zum Reichsinnenminister ausdrücklich auf seine beiden im Frühjahr dem Reichsinnenministerium übersandten Denkschriften hin betr. die Rückkehr zum Rechtsstaat und die Ausschaltung des Einflusses der NSDAP, die Carl Friedrich Goerdeler bekannt waren
27. Mai 1944 Der frühere Reichsminister von Neurath und der Stuttgarter OB Strölin sprechen in Freudenstadt mit General Speidel, damit dieser Generalfeldmarschall Rommel für den Widerstand gewinne
1. Juli 1944 Im Rahmen der Disloziierung der Industrieproduktion entstehen Netze von Außenlagern der KZ Natzweiler-Struthof und Dachau sowie von Arbeitslagern, vor allem im Süden um Rottweil sowie westlich von Stuttgart und bei Heilbronn
8. August 1944 In Stuttgart stellen die Staatstheater den Betrieb ein
12. August 1944 Nach dem gescheiterten Attentat Graf Stauffenbergs wird der frühere Staatspräsident Württembergs, Eugen Bolz, wegen seiner Kontakte zum Kreis um Carl Friedrich Goerdeler verhaftet (23.01.1945 hingerichtet)
6. September 1944 Beschlagnahme des Hohenzollern-Schlosses Sigmaringen für die französische Regierung Petain
12. September 1944 Das Gefängnis in Stuttgart ist durch Bombenangriffe so beschädigt, dass keine Hinrichtungen mehr möglich sind (430 seit 1933). Todesurteile württembergischer Gerichte werden nun in Bruchsal vollstreckt
18. Oktober 1944 Staatsbegräbnis für Generalfeldmarschall Erwin Rommel in Ulm
4. Dezember 1944 Massiver Luftangriff auf Heilbronn (ca.6000 Tote)
17. Dezember 1944 Luftangriff auf Ulm, nach Evakuierung der Bevölkerung deutlich geringe Opferzahlen als in Heilbronn
12. Februar 1945 Letzte Deportation württembergischer Juden ins KZ Theresienstadt (Mischehenpartner und „Mischlinge“)
30. März 1945 Erste amerikanische und französische Truppen erreichen Württemberg
19. April 1945 Reichsstatthalter Murr flieht aus Stuttgart
23. April 1945 In Stuttgart übergibt OB Strölin sein Amt an Dr.Arnulf Klett
23. April 1945 US-Truppen entdecken und beschlagnahmen die Urananlage des Kaiser Wilhelm-Instituts für Physik (Dahlem) in Haigerloch bei Hechingen, wo seit Januar 1945 Versuche unter der Leitung der Professoren Heisenberg und von Weizsäcker stattgefunden hatten
27. April 1945 Französische Truppen erreichen den Bodensee bei Friedrichshafen
23. Mai 1945 Verhaftung des Reichsstatthalters Murr (unter falschem Namen) in Vorarlberg, Selbstmord am folgenden Tag
15. Juli 1945 Innenminister Schmid stirbt in einem französischen Gefangenenlager am Bodensee
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