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Filmaufnahmen von der Beisetzung des badischen Kultusministers Otto Wacker 1940

Wacker-Straßburger Monatshefte 6 1942 H2_bearb Kopie

Otto Wacker, Büste von Prof. Otto Schließler, Karlsruhe, in: Straßburger Monatshefte. Zeitschrift für das deutsche Volkstum am Oberrhein 6 1942 (2), S. 77.

Im Zuge der Materialsammlung für den Blogartikel „Die Trauerfeierlichkeiten für den badischen Kultusminister Otto Wacker 1940“ erging eine Anfrage an das Stadtarchiv Offenburg, ob dort Informationen über den Verbleib einer Bildnisbüste Otto Wackers vorliegen, die nach dem Tod des Kultusministers von dem Karlsruher Bildhauer Otto Schließler in vier Ausfertigungen erstellt wurde. Ein Exemplar erhielt die Stadt Offenburg, die Wacker bereits seit 1933 zu ihren Ehrenbürgern zählte. Die Anfrage erbrachte eine Fehlanzeige: Wo die Bildnisbüste bis 1945 aufgestellt worden war und wo das unerwünscht gewordene Repräsentationsstück nach dem Ende des „Dritten Reiches“ verblieben ist, lässt sich bislang nicht klären. Fruchtlos war die Initiative gleichwohl nicht, denn der Offenburger Stadtarchivar Dr. Wolfgang Gall konnte ein anderes Fundstück zur Verfügung stellen, das von den Trauerfeierlichkeiten für Wacker überliefert ist: eine knapp vierminütige Filmsequenz von der Überführung des Leichnams des badischen Kultusministers nach Offenburg am 16. Februar 1940 und seiner Beisetzung auf dem Offenburger Friedhof am 17. Februar.

Der Film stammt von dem Offenburger Fotografen Paul Stober, der in den 1930er Jahren und während des Zweiten Weltkriegs einige öffentliche Großereignisse in der Stadt filmisch festgehalten hat. Während von einigen seiner Aufnahmen technisch hochwertiges Filmmaterial erhalten ist, wie zum Beispiel von dem Einzug der Reichswehr in die frühere und nun wieder neue Garnisonsstadt im Jahr 1936, kann der vier Jahre später entstandenen Beisetzungssequenz allenfalls eine mindere Qualität zugesprochen werden. Der Grund hierfür dürfte in den schlechten Witterungsverhältnissen an jenem trüben Wintertag zu suchen sein. Auch wenn das Material somit heutigen Sehgewohnheiten kaum zuträglich erscheinen mag, hat es doch einen beträchtlichen Quellenwert: zum einen, weil es generell nur sehr wenige bewegte Bilder gibt, die illustrieren, wie sich die Protagonisten des diktatorischen Systems im Südwesten in der Öffentlichkeit präsentierten, und zum anderen, weil sich die Spezifika der nationalsozialistischen Totenehrung – Militarisierung, überbordende Parteisymbolik und Entchristlichung – trotz Unschärfen und Kontrastarmut des Materials deutlich erkennen lassen.

Über den Ablauf der Beisetzung, der sich aus der Sequenz selbst nicht im Detail erschließen lässt, unterrichtet die ausführliche Berichterstattung des NSDAP-Parteiblatts „Der Führer“: Wackers Leichnam wurde unmittelbar im Anschluss an die Trauerfeier, die am 16. Februar im Karlsruher Landtag als ein Staatsakt abgehalten worden war, in Begleitung einer Delegation des Kultusministeriums und eines Ehrengeleits der SS nach Offenburg überführt und in der Leichenhalle des Friedhofs aufgebahrt. Dem mit der Staatsflagge bedeckten Sarg waren „Degen, Helm und Mütze der Wehrmacht und SS“ sowie Wackers Orden vorangetragen worden. „Nach dem Aufziehen der Ehrenwache nahm die Bevölkerung Gelegenheit, durch einen stummen Gruß am Sarge dem bewährten Kämpfer des Führers die letzte Ehre zu erweisen“, teilte das Parteiblatt in seiner Ausgabe vom 17. Februar mit und mobilisierte die Offenburger zugleich zur massenhaften Teilnahme an der Beisetzung: Es werde erwartet, „daß die sich sicher zahlreich einfindenden Volksgenossen und Volksgenossinnen aus Offenburg und Umgebung bereits um 10.45 Uhr ihre von den Ordnern anzuweisenden Plätze eingenommen haben und so eine Störung der Feier vermeiden“.

Pünktlich um 11 Uhr, so berichtete „Der Führer“ einen Tag später über die Feier, betrat Gauleiter Wagner dann mit der Witwe Wackers den Friedhof. Begleitet wurden sie von den drei Ministerkollegen Wackers, hohen Repräsentanten der SA und SS, dem „Reichsstudentenführer“ Gustav Adolf Scheel und dem Offenburger NSDAP-Kreisleiter Karl Rombach. Den von Darbietungen eines Musikzugs der Waffen-SS umrahmten Mittelpunkt der Beisetzungsfeier bildete eine Rede Wagners, in der er die Verdienste Wackers um die Partei ausführlich würdigte. Der Reichsstatthalter und Gauleiter machte auch den Anfang bei den Kranzniederlegungen mit einem „riesigen Lorbeerkranz“; dann kamen die „anwesenden führenden Männer von Partei, Staat und Wehrmacht unter den Klängen des SS-Treueliedes. Unter den vielen Kränzen, die den Sarg bedeckten, befand sich auch ein Kranz des Generalfeldmarschalls Hermann Göring, der damit den verdienten Vorkämpfer der Bewegung im Grenzgau Baden ehrte“. Den Kranzniederlegungen folgte die Beisetzung Wackers: „Unter Vorantritt der Standarten der SA und SS wurde der Sarg von Soldaten der Waffen-SS zu dem in der Nähe befindlichen Familiengrab getragen, wo die Familienangehörigen mit dem Gauleiter und den Mitgliedern der Badischen Regierung zum letzten Mal von Dr. Otto Wacker Abschied nahmen. Drei Ehrensalven hallten über den Platz, dann sank der Sarg unter den Klängen des Fridericus Rex-Marsches, des Lieblingsmarsches des Verstorbenen, langsam in die Tiefe. Nach Beendigung der Feier marschierten die Gliederungen der Bewegung grüßend am offenen Grab vorüber“.

 

Quelle:

Stadtarchiv Offenburg

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  • Stephan sagt:

    Laut meinen Informationen, müssten die Büste dem Stadtarchiv Karlsruhe übergeben worden sein.
    Sie war wohl in Familienbesitz.

    • Frank Engehausen sagt:

      Die Information ist zutreffend: Die der Familie übergebene Büste befindet sich inzwischen im Stadtarchiv Karlsruhe. Der Verbleib des Exemplars, das die Stadt Offenburg seinerzeit erhalten hat, ist allerdings immer noch ungeklärt.

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