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Otto Wacker, Kultus- und Justizminister

wacker

Der Reichstag (Hrsg.): Der Großdeutsche Reichstag, Wahlperiode nach d. 30. Jan. 1933, verlängert bis zum 30.1.1947, Berlin 1938, S. 550

Otto Wacker wurde am 6. August 1899 als Sohn eines Architekten in Offenburg geboren, wo er Volksschule und Gymnasium besuchte. Das Abitur legte er 1917 in Donaueschingen ab. Als Soldat nahm er an den Kämpfen in Flandern teil. Nach der Entlassung aus dem Militärdienst im April 1919 nahm Wacker zunächst ein Architekturstudium in Karlsruhe auf, wechselte jedoch 1921 an die Universität Freiburg zu einem Studium der Literaturgeschichte, der germanistischen Philologie und der Kunstgeschichte. Wacker wurde 1927 promoviert, fand aber keinen Zugang zu einer akademischen Laufbahn, sondern übernahm die hauptamtliche Schriftleitung des Parteiorgans „Der Führer“ der badischen NSDAP, für die er bereits während seines Studiums als Leiter der Offenburger Ortsgruppe tätig gewesen war.

Unter Wackers Leitung expandierte „Der Führer“ parallel zu den Organisations- und Wahlerfolgen der NSDAP von einem Wochenblatt zu einer auflagenstarken Tageszeitung. Ihre scharfe politische Polemik brachte den Schriftleiter immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt: Neben einigen Geldstrafen wurde Wacker auch eine mehrmonatige Haftstrafe wegen öffentlicher übler Nachrede auferlegt. Als Chefpropagandist der badischen NSDAP zählte Wacker, der seit 1931 auch das Amt des Leiters der Gauparteipressestelle bekleidete, zu den Kandidaten, die nach der Machtübernahme wichtige Posten beanspruchen konnten. Bei der provisorischen Regierungsumbildung in Karlsruhe fiel ihm im März 1933 zunächst das Kultusressort und im April dann auch das Justizressort zu. Beide Posten behielt er auch bei der definitiven Regierungsneubildung im Mai. Als badischer Minister der Justiz amtierte Wacker bis zur Auflösung der Landesjustizministerien mit Jahresende 1934, als badischer Minister des Kultus und des Unterrichts bis zu seinem Tod 1940.

In der Kultuspolitik fand Wacker ein breites Betätigungsfeld, auf dem er für die personelle „Gleichschaltung“ in den Schulen und Hochschulen und für die nationalsozialistische Ideologisierung der Lehrinhalte Verantwortung trug. Mit seinen politischen Ambitionen griff Wacker 1937 über Baden hinaus: Er übernahm, ohne sein Karlsruher Ministeramt aufzugeben, die Leitung der Abteilung Wissenschaft im Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung. Dort verfolgte Wacker, der 1937 auch zum Vizepräsidenten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften avancierte, eine Reihe hochschul- und forschungspolitischer Initiativen, ohne sich jedoch dauerhaft in dem Berliner Konkurrenzgeflecht von Ministerialbürokratie und Parteistellen eine Machtstellung erobern zu können. Im Mai 1939 zog sich Wacker in sein Karlsruher Ministerium zurück. Er starb am 14. Februar 1940.

Blogartikel mit Bezug zu Otto Wacker:

Ludger Syré: „Unser bester Landsmann“ – Aus privaten und offiziellen Kondolenzschreiben an Otto Wackers Witwe
Ludger Syré: Die badischen Nationalsozialisten ehren ihren verstorbenen Minister
Ludger Syré: Otto Wacker als Hauptschriftleiter des „Führer“ in der Weimarer Republik
Frank Engehausen: Durchs Raster gefallen: die gescheiterten Bemühungen der Ehefrau des badischen Kultusministers Otto Wacker um eine Witwenrente
Frank Engehausen: Filmaufnahmen von der Beisetzung des badischen Kultusministers Otto Wacker 1940
Frank Engehausen: Die Trauerfeierlichkeiten für den badischen Kultusminister Otto Wacker 1940
Frank Engehausen: Wie die Nationalsozialisten 1933 missliebige Beamte loswurden: Die Zurruhesetzung des Oberregierungsrats im badischen Kultusministerium Georg Schmitt
Katrin Hammerstein: Kriegsteilnehmer, jung, Parteigenosse. Bemerkungen zu den badischen Ministern

Weiterführende Literatur:

Schrecke, Katja: Zwischen Heimaterde und Reichsdienst. Otto Wacker, Badischer Minister des Kultus, des Unterrichts und der Justiz, in: Die Führer der Provinz. NS-Biographien aus Baden und Württemberg, hrsg. von Michael Kißener und Joachim Scholtyseck, Konstanz 1997, S. 705-732.

Biografie auf dem Onlineportal leo-bw

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