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Karl Waldmann, Staatssekretär und Leiter des Finanzministeriums

*20.6.1889 Tiefenbach  † 07.11.1969 Stuttgart. Evangelisch, Kirchenaustritt 1935.

waldmann

100 Jahre Württembergischer Verwaltungsdienst. Festschrift. Herausgegeben vom Verein Württ.Verwaltungsbeamten e.V. Stuttgart 1937

Karl Wilhelm Waldmanns Vater war ehrenamtlicher Bürgermeister seines Heimatortes Tiefenbach (heute Crailsheim), auch drei Brüder übten das Amt des Schultheißen aus, bevor dem Bauernsohn der Aufstieg in die Beamtenlaufbahn gelang, die er im Ersten  Weltkrieg ohne Unterbrechung bis zum Rang eines Oberrechnungsrats im Landesgewerbeamt fortsetzen konnte. Dort diente unter ihm Eugen Munder, der erste Gauleiter der 1925 wiederbegründeten NSDAP für Württemberg-Hohenzollern, mit dem Waldmann eine persönliche und politische Freundschaft verband. Er wurde unter Munder Gaugeschäftsführer und Redakteur des NS-Blattes „Südwestdeutscher Beobachter“. Als Munder 1928 zurücktrat, zog sich auch Waldmann auf seine berufliche Tätigkeit zurück. Bereits Anfang 1931 trat er aber wieder in die NSDAP ein und wurde als rechte Hand des neuen Gauleiters Wilhelm Murr in verschiedenen Parteiämtern zum „Architekten“ der NS-Personalpolitik in Württemberg, eine Funktion, die er nach der Machtübernahme auf staatlicher Ebene nahtlos fortsetzen konnte.

1932 war er zunächst Vorsitzender des Finanzausschusses im Landtag, 1933 dann Präsident des letzten, nicht mehr frei gewählten Landtages von Württemberg, gleichzeitig aber bereits als Staatsrat und Staatssekretär die ‚graue Eminenz‘ in der Villa Reitzenstein, dem Sitz des Staatsministeriums. Er ermöglichte nun auch Eugen Munder ein politisches Comeback, als er ihn mit der „Gleichschaltung“ des Beamtenapparates und insbesondere des ‚Vereins württembergischer Verwaltungsbeamten‘ beauftragte, der dadurch bis Ende 1937 fortbestehen konnte. Zu Waldmanns Netzwerk im Beamtenapparat gehörten der stellvertretende Gauleiter Friedrich Schmidt und dessen NS-Kommunalreferent Georg Stümpfig, Innenminister Jonathan Schmid und die Ministerialbeamten Hellmut Wider und Gottlob Dill sowie die Kirchenreferenten Walter Ritter und Franz Seizinger. Im Kirchenkampf versuchte Waldmann eine vermittelnde Position zwischen der radikalen Linie des Kultministers Mergenthaler und den regimekritischen Gruppierungen in beiden Konfessionen einzunehmen, indem er im Auftrag von Statthalter Murr die diplomatischen Kontakte zu den Kirchenführungen pflegte. Nach den Erfolgen der ‚Bekenntnisfront‘ innerhalb der EKD trat er selbst aber schon 1935 als erstes Mitglied der württembergischen Regierung aus der Landeskirche aus.

1933 wurde Karl Wilhelm Waldmann Präsident der Verwaltungsakademie und 1938 Herausgeber der neugestalteten ‚Württembergischen Verwaltungszeitschrift‘, in der ein Artikel Dietlof von der Schulenburgs erschien. Der frühe Kontakt zum ‚Kreisauer Kreis’ und einige Reforminitiativen auf Reichsebene ähnlich den späteren des Stuttgarter Oberbürgermeisters Strölin führten neben vielen Zeugenaussagen nach 1945 zu der ungewöhnlich günstigen Beurteilung Waldmanns in den Spruchkammerverfahren als ‚Mitläufer’. 1939 wurde er zur Militärverwaltung eingezogen und war 1940 bis 1941 in Nordfrankreich im Einsatz, kehrte aber schon bald wieder nach Stuttgart zurück, um die Leitung des Finanzministeriums zu übernehmen. Waldmann gilt als Vertreter einer bisher wenig beachteten „gouvernementalen“ Variante der NS-Verwaltungspolitik in Württemberg, die politische Härte mit persönlicher Flexibilität und fachlicher Kompetenz verband.

Literatur

Roser, Annette: Beamter aus Berufung: Karl Wilhelm Waldmann. Württembergischer Staatssekretär, in: Michael Kißener, Joachim Scholtyseck (Hrsg.) Die Führer der Provinz. NS-Biographien aus Baden und Württemberg, Konstanz 1997, S.781-803.
Roser, Hubert und Annette Roser: Karl Waldmann (1889-1969), in: Rainer Lächle, Jörg Thierfelder (Hrsg.): Wir konnten uns nicht entziehen. 30 Porträts zu Kirche und Nationalsozialismus in Württemberg, Stuttgart 1998, S.227-250.
Hubert Roser: Karl Waldmann, in: Baden-Württembergische Biographien, Band 3, Stuttgart 2002, S. 434-437.

Biografie auf dem Onlineportal leo-bw

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