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Karl Pflaumer, Innenminister

GLA Karlsruhe 465 a/51 Nr. 68/1032

Karl Pflaumer wurde am 27. Juli 1896 in Rauenberg/Wertheim geboren. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges brach Pflaumer seine begonnene Ausbildung als Lehrer ab und meldete sich freiwillig zum Militärdienst. Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg und aus französischer Gefangenschaft trat er im April 1920 seinen Dienst bei der Polizei in Heidelberg an.

Wiederholt nahm Pflaumer an NSDAP-Veranstaltungen in Heidelberg teil. Die Forderung seiner Vorgesetzten, dies zu unterlassen, setzte er nicht in die Tat um, woraufhin er im April 1928 von der Einsatzbereitschaft zum Revierdienst versetzt wurde. Nachdem sich Pflaumer wochenlang krankschreiben ließ, bat die Polizeidirektion Heidelberg um seine Dienstentlassung, die zum 28. Februar 1929 erfolgte.

Am 1. Mai 1929 trat Pflaumer der NSDAP bei und betätigte sich als Redner für die Partei. 1930 erhielt er ein Mandat im Heidelberger Stadtrat. Den Höhepunkt seiner politischen Karriere stellte seine Ernennung zum badischen Minister des Inneren am 6. Mai 1933 dar. Als solchem oblag ihm die Aufgabe, jüdische und politisch nicht erwünschte Beamte aus der badischen inneren Verwaltung zu entfernen. Auch wirkte er an entscheidender Stelle bei der Diskriminierung und Verfolgung der badischen Juden mit, unter anderem indem er bereits ab 1935 alle jüdischen Bewohner in einer Kartei erfassen ließ, auf deren Grundlage die späteren Transporte in die Konzentrationslager zusammengestellt wurden.

Am 1. Februar 1940 meldete er sich als Major zur Luftwaffe. Bereits nach vier Monaten kehrte Pflaumer zurück und wurde zusätzlich zu seinem Ministeramt Leiter der Verwaltungs- und Polizeiabteilung bei der Zivilverwaltung im Elsass. Im Februar 1941 wurde Pflaumer in die deutsche Gesandtschaft in Bukarest abgeordnet, um die Umstrukturierung der rumänischen Verwaltung nach deutschem Vorbild umzusetzen. Nach Konflikten mit dem deutschen Gesandten übernahm Pflaumer bereits im April 1942 wieder seine Dienstgeschäfte als badischer Innenminister und in der Verwaltungs- und Polizeiabteilung im Elsass.

Nach Kriegsende wurde Pflaumer von der französischen Armee interniert und im Mai 1948 in das Gerichtsgefängnis in Karlsruhe eingeliefert. Am 14. Januar 1950 begann dort das Spruchkammerverfahren, das ihn als „Belasteten“ einstufte. Pflaumer starb am 3. Mai 1971 in Rastatt.

Blogartikel mit Bezug zu Karl Pflaumer:

Martin Stingl: Der Nationalsozialist als guter Patriot: Karl Pflaumer, badischer Innenminister
Tobias Sowade: „Die Beamten […] mit dem bestmöglichen Rüstzeug für die Erfüllung ihrer Verwaltungsaufgaben auszustatten“: Die Eröffnung der Verwaltungsakademie in Straßburg am 18. Dezember 1940
Katrin Hammerstein: Kriegsteilnehmer, jung, Parteigenosse. Bemerkungen zu den badischen Ministern

Weiterführende Literatur:

Pralle, Norma: Zwischen Partei, Amt und persönlichen Interessen. Karl Pflaumer, Badischer Innenminister, in: Michael Kißener und Joachim Scholtyseck (Hrsg.): Die Führer der Provinz. NS-Biographien aus Baden und Württemberg, Konstanz 1997, S. 539-566.

Biografie auf dem Onlineportal leo-bw

 

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